Brandanschlag auf Erfurter Sozialministerium


29. Oktober 2009

Brandanschlag auf Erfurter SozialministeriumSozialministerin Christine Lieberknecht (CDU) trat am Donnerstagmorgen ernst aber sichtlich erleichtert aus ihrem Ministerium. Wenige Stunden zuvor hatten Unbekannte einen Stein sowie einen Brandbeschleuniger in die Bibliothek im Erdgeschoss geworfen. «Normalerweise schlafe ich unter der Woche hier im Gebäude», sagte Lieberknecht. Gegen 6.30 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem die Tat verübt wurde, sei sie in der Regel schon im Gebäude unterwegs. Diesmal jedoch sei sie außer Haus gewesen.

Ob der Anschlag einen Tag vor der geplanten Wahl Lieberknechts zur Ministerpräsidentin einen politischen Hintergrund hatte, konnte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) zunächst nicht bestätigen. Das LKA ermittle «in alle Richtungen». Das Feuer brach seinen Angaben zufolge gegen 6.30 Uhr aus. Der Brandmelder habe Alarm geschlagen, nur vier Minuten später sei die Feuerwehr zur Stelle gewesen.

«Ich bin dankbar, dass unsere Sicherheitskräfte so schnell einsatzbereit waren», sagte Lieberknecht. Sie sei erleichtert, dass es keine Verletzten gegeben habe. Um sie herum gehen die Ermittlungs- und Aufräumarbeiten auf dem Ministeriumsgelände am Donnerstagvormittag voran. Ein Tischler eilt die Auffahrt zum Ministerium hoch. Er soll das zerstörte Fenster ersetzen. In einer Seitenstraße vermessen einige Polizisten Steine. Offenbar wollen sie prüfen, woher das Wurfgeschoss stammt. Zeitgleich werden die Bilder einer Überwachungskamera ausgewertet. Wie viele Personen an der Tat beteiligt seien, war dem LKA-Sprecher zufolge bis zum Mittag unklar, auch ein Bekennerschreiben liege noch nicht vor.

Innenminister Manfred Scherer (CDU) hatte Lieberknecht als erstes über den Vorfall informiert. Er verurteilte den Anschlag als «vollkommen sinnlose Gewalttat». Er sei erleichtert, dass keine Personen verletzt worden seien und sich der Sachschaden in Grenzen halte.

Laut Ministeriumssprecher Thomas Schulz ist nur ein kleiner Brandfleck in der Bibliothek im Erdgeschoss zu sehen. Es gebe eine leichte Geruchsbelästigung, der Dienst gehe aber ganz normal weiter. Er bemühte sich merklich, die Aufregung zu dämpfen. «Wir wissen nicht, ob es sich um einen Anschlag handelt. Das können auch Betrunkene gewesen sein», sagte er. Es sei nichts Gravierendes passiert und lediglich «der Verlust von drei Zeitungen zu beklagen».

Weder für Lieberknecht noch für das Gebäude sind nach Angaben der Behörden wegen des Vorfalls nun stärkere Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen. «Dass die Einsatzkräfte so schnell vor Ort waren, liegt daran, dass alle Sicherheitsvorkehrungen hervorragend funktioniert haben.» Wenn Lieberknecht am Freitag zur Ministerpräsidentin gewählt wird, würde sie «den üblichen Schutz» erhalten.

na/ddp

 

 

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