DFB will Wettskandal aufklären


23. November 2009

DFB will Wettskandal aufklärenDer Deutsche Fußball-Bund (DFB) will mit einer speziellen Arbeitsgruppe die Aufklärung im größten Wettskandal Europas unterstützen. Die Tak Force unter der Leitung des DFB-Chefjustiziars Jörg Englisch werde sich täglich mit der Sache befassen, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Montag in Frankfurt am Main. Der DFB prüfe außerdem ein Wettverbot für Spiele der Oberliga abwärts. Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) sagte deren Geschäftsführer Christian Seifert, der Profifußball sei mit jährlich 15 Milliarden Euro Umsatz in Europa längst in den Fokus der organisierten Kriminalität gerückt.

Zwanziger berichtete, die Task Force wolle baldmöglichst Akteneinsicht erhalten, um «an die Informationen zu kommen, welche Spieler und welche Spiele betroffen sind». Der DFB-Präsident wies Kritik zurück, wonach der Verband seit der Affäre um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 nichts gelernt habe. Das danach installierte Warnsystem habe bereits geholfen. Warum die aktuellen Fälle unentdeckt blieben, müsse geklärt werden. «Wir haben gezeigt«, fügte Zwanziger hinzu, »dass wir diese Dinge nicht bagatellisieren, aber es sollten auch nicht Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden.«

Gegenwärtig gelte unter bestimmten Bedingungen ein Wettverbot für Spieler und Schiedsrichter in den obersten vier Ligen und im Pokalwettbewerb, erläuterte der DFB-Chef. Für entsprechende Regelungen in den unterklassigen Runden seien die Landesverbände verantwortlich. Wenn unterhalb der Regionalligen die Manipulationsgefahren hoch seien, »müssen wir mit den Landesverbänden sprechen«.

Betrug drohe dort, wo Spielergehälter niedriger als in oberen Ligen seien, aber Wettvolumen platziert werden könne, sagte Carsten Koerl von der Agentur Sportradar. Die Schweizer Firma kontrolliert im Auftrag des DFB und des euopäischen Fußballverbands UEFA weltweit Wetteinsätze und -quoten. Durch Manipulationen gefährdet seien »kleine Spiele« am Montagabend und Donnerstagnachmittag. Die von der Bochumer Staatsanwaltschaft monierten Begegnungen seien bei Sportradar nicht auffällig geworden, sagte Koerl.

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach verwies am Montag in Frankfurt darauf, dass die UEFA die von Wettbetrug ausgehenden Gefahren als mindestens so gravierend einschätze wie die durch Doping. Bisher habe der europäische Verband Deutschland als »mustergültig« bei der Kontrolle des Wettmarkts bezeichnet. Der DFB sehe sich jedoch «unkontrollierten Aktivitäten aus Asien» gegenüber.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum haben Wettbetrüger in mehreren europäischen Ländern rund 200 Spiele, darunter 32 Partien in Deutschland, manipuliert. Etwa 200 Personen – darunter Trainer, Spieler und Schiedsrichter – stehen unter Verdacht.

na/ddp

 

 

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