Doppelter Auftritt für Sergej Moya bei Berlinale09. Februar 2010
Die beiden ersten Teile seiner bislang namenlosen Trilogie, mit der er sein Drehbuch-, Regie- und Produzentendebüt feiert, hat er ohne Filmfördermittel oder Kooperationen mit Fernsehsendern umgesetzt. Renommierte Schauspieler wie Clemens Schick und Carlo Ljubek, die Hauptdarsteller der drei lose miteinander verknüpften Akte, die am Ende einen Spielfilm ergeben werden, haben ohne Honorar gespielt. Material und Equipment wurden von großzügigen Firmen kostenlos zur Verfügung gestellt. «Wir hatten nichts, wir hatten einfach nur uns», erklärt Moya. Für den dritten Teil habe er aber «Leute gefunden, die das Projekt toll finden und daran glauben und es deshalb finanziell unterstützen.» Die drei Akte seiner Trilogie gehen Moyas Lieblingsthema nach, dem Zusammenspiel von Fiktivem und Realem und dessen Auswirkung auf die Gedankenwelt des Individuums. «Die blaue Periode», der erste Teil der Trilogie, wurde im Januar 2010 beim Max-Ophüls-Filmfestival zum ersten Mal gezeigt. «Hollywood Drama», der zweite Teil, feiert am 13. Februar bei den 60. Internationalen Filmfestspielen Berlin Premiere. Die Berlinale ist für Moya ein doppeltes Heimspiel: Neben «Hollywood Drama» ist er noch mit «Shahada» vertreten, dabei allerdings vor der Kamera. Er spielt einen Homosexuellen, der mit seiner eigenen Sexualität kein Problem hat, jedoch auf einen Muslimen trifft, der in einer vollkommen anderen Welt gefangen ist und sich deshalb nicht outen kann. «Die Geschichte urteilt nicht, sie zeigt einfach den Konflikt, den Menschen haben, die aus verschiedenen Welten sind», so Moya. «Das passiert ja täglich, gerade in Berlin.» Moya stand mit 12 zum ersten Mal vor der Kamera, mit 15 feierte er im Fernsehfilm «Mein Vater» an der Seite von Götz George, seinem Vorbild und Mentor, den ersten großen Erfolg. Zwei Jahre später musste er sich zwischen Schule und Schauspielerei entscheiden. Prüfungen und Dreharbeiten zur gleichen Zeit waren nicht erlaubt. «Das war nicht leicht, denn ich wusste, dass es auch total schief gehen konnte», sagt der ungewöhnlich ernste junge Mann. Im Nachhinein ist er dankbar dafür. «Weil die Schule sich mir in den Weg stellte, musste ich genau prüfen, welchen Weg ich einschlagen wollte und was ich bereit war dafür zu geben.» Moya folgte seiner Berufung und bereut es bis heute nicht. «Viele von meinen Freunden haben jetzt Abitur und lungern rum, brechen ihr Studium ab oder versinken im Party-Leben. Das Problem hatte ich nie.» Dafür war er zu beschäftigt. Nicht nur mit Rollen im «Tatort», bei «Polizeiruf 110» und «Commissario Laurenti», sondern auch mit unbezahlten Projekten, meist von Filmstudenten. Durch die lernte er Schauspieler und Regisseure kennen, die er verehrte und mit denen er zusammen arbeiten wollte. Einfach war diese Zeit nicht, sagt er zurückblickend, vor allem in finanzieller Hinsicht. Zwar habe seine Mutter, selbst vom Existenzminimum lebend, ihn immer unterstützt. Trotzdem kannte er ein, zwei Jahre lang den Gerichtsvollzieher beim Vornamen. «Lustig war das nicht», sagt Moya, lacht trotzdem leise auf, wird aber gleich wieder ernst. «Doch die Frage ist halt: Worauf legst du Wert? Willst du Sicherheit haben und dafür deine Seele verkaufen? Oder ist dir wichtig, was du tust, willst du dahinter stehen?» Dass er trotz seiner mittlerweile zehnjährigen Filmkarriere und zahlreichen Preise noch immer als Nachwuchstalent bezeichnet wird, stört Sergej Moya nicht, im Gegenteil. «Was heißt denn Nachwuchs», hinterfragt er den Begriff und liefert gleichzeitig seine persönliche Antwort: «Wenn es heißt, dass man lernen will und mit einem offenen Blick an alles heran geht, dann will ich immer ein Nachwuchs-Schauspieler bleiben.» na/ddp
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Dieser Artikel wurde am Dienstag, 09. Februar 2010 um 12:34 erstellt und ist in der Kategorie Unterhaltung abgelegt. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.
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