Gärtnern im Verein – Kleingärten sind in der Stadt beliebt12. Mai 2009 Spießeridylle? Gartenzwergbiotop? Klischees wie diese halten sich hartnäckig. Doch Schrebergärten sind heute offenbar mehr als akkurater Rasenschnitt und unkrautfreie Wege. Denn vor allem junge Familien zieht es in den Kleingarten. Nicht jeder kleine Garten ist aber ein Kleingarten. Eine Streuobstwiese an der Datsche, Erdbeerbeete und Rosenstöcke am eigenen Haus fallen beispielsweise nicht darunter. Hinter einem Kleingarten oder Schrebergarten verbirgt sich traditionell mehr als nur das Anbauen, Pflegen und Ernten von Pflanzen. «Neben der gärtnerischen Nutzung und der Erholung steht vor allem das Miteinander verschiedener Generationen und sozialer Schichten im Vordergrund», sagt Thomas Wagner, Diplom-Gartenbauingenieur beim Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin. Den klassischen Kleingarten gibt es deshalb nur in einem gemeinnützigen Verein. «Kleingärtnervereine sind öffentliche Anlagen auf Pachtflächen, die mehrere Einzelgärten zusammenfassen und zum Beispiel Spielflächen für Kinder und ein Vereinshaus besitzen können», erklärt Wagner. Etwa eine Million Kleingärten gibt es in Deutschland. Die Dachorganisation der 15 000 Kleingartenvereine ist der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. «Für mich ist der Kleingarten mein grünes Wohnzimmer», sagt Peter Ehrenberg, Vorstand der Gartenfreunde Berlin. Der engagierte Kleingärtner schätzt die soziale Gemeinschaft in seiner Anlage, das Miteinander von mehreren Generationen. «Ein Garten fordert und fördert Zurückhaltung und Anpassung, weil man aufeinander Rücksicht nehmen muss. Das empfinde ich gerade in unserer immer anonymer werdenden Gesellschaft als Bereicherung,» erklärt Ehrenberg. Wer einen Kleingarten pachtet, ist an Regeln gebunden und muss die Gartenordnung seines Vereins unterzeichnen. Hier ist unter anderem festgeschrieben, dass mindestens ein Drittel der Gartenfläche zum Anbau von Obst und Gemüse verwendet werden muss. Wer also nur Rasen säen und seine Tage auf der Hollywoodschaukel verbringen will, hat keine Chance. «Ein Kleingärtner sollte unbedingt naturverbunden sein. Im Garten macht man sich auch mal die Hände schmutzig», sagt Roger Gloszat, Fachberater beim Landesbund der Kleingartenfreunde in Hamburg. Ein englischer Rasen sei heute aber keine Pflicht mehr. Gloszat betont: «Oftmals ist eine geordnete Unordnung auch okay. Ein bisschen Pflege muss aber sein, denn ein Garten ist keine Wildnis.» Auch die Produktion von eigenen Lebensmitteln ist für viele Menschen ein wichtiger Grund für einen Kleingarten. «Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt besser als gekauftes. Bei mir kommen die Lebensmittel von der Pflanze direkt auf den Teller», erklärt Roger Glozsat. Das Publikum in Kleingärten wird jünger. Vor allem junge Familien in Städten sehen darin nach Auskunft des BDG eine gute Alternative zu einem Umzug mit teuren Mieten in die Vororte. «Viele Eltern möchten ihren Kindern durch einen Garten den sensiblen Umgang mit Natur vermitteln», sagt Thomas Wagner. Gerade Stadtkinder könnten mit einem eigenen Beet den Spaß am Gärtnern entdecken und Verantwortung lernen. 45 Prozent aller Neuverpachtungen der vergangenen fünf Jahre gingen laut BDG an Familien mit Kindern. Knapp zwei Drittel aller Pächter, die seit 2000 einen Garten übernommen haben, sind jünger als 55 Jahre. Das Durchschnittsalter der Kleingärtner liegt bei 60 Jahren. «Das liegt daran, dass der Garten meist bis ins hohe Alter genutzt wird», so Wagner. Die meisten Kleingärten in Deutschland hat die Hauptstadt: In Berlin gibt es knapp 70 000 Kleingärten, gefolgt von Hamburg mit 36 000 und Leipzig mit 32 000 Gärten. Auch wenn ein Kleingarten von privat angeboten wird, ist der Kleingärtnerverein oder der Stadtverband der Verpächter, mit dem die Kleingärtner einen Unterpachtvertrag für das Grundstück eingehen. Dafür zahlen sie im Jahr einen festen Pachtpreis von 10 bis 90 Cent pro Quadratmeter. Die Höhe der Pacht bestimmt die Stadt. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge für den Verein sowie Nebenkosten für Strom, Versicherungen und Kommunalabgaben. «Im Schnitt kostet ein Kleingarten seinen Pächter im Jahr 373 Euro», sagt Thomas Wagner. Wird ein Kleingarten verkauft, schätzen geschulte Wertermittler die Einrichtungen auf dem Grundstück. Ein gepflegter Kleingarten mit Laube kann zwischen 1000 und 7000 Euro Ablösesumme kosten. «Natürlich gibt es auch Grundstücke, die längere Zeit ungenutzt waren. Sie sind entsprechend günstiger zu haben», erklärt Wagner. Insgesamt hätten sich die Anschaffungskosten für einen Kleingarten seit 1990 um 30 Prozent verringert. na/uk, ddp
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Dieser Artikel wurde am Dienstag, 12. Mai 2009 um 05:21 erstellt und ist in der Kategorie Lifestyle abgelegt. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.
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