Kernphysiker Dürr warnt vor Atom-Ausstieg07. Oktober 2009
«Wenn wir es geschafft haben, in zehn Jahren einen Mann auf den Mond zu schießen, schaffen wir auch die solare Revolution», sagt Dürr. Die Fantasie des Menschen sei im Prinzip unbegrenzt. Letztlich gehe es nur um die Frage, on man bereit sei, die notwendigen Geldsummen in die Energiewende zu stecken. «Wenn Banken pleite gehen, wird einfach Geld gedruckt. Ich würde auch für den Umstieg auf Sonnenenergie auf Teufel komm raus Geld drucken.» Die solare Energiewende ist laut Dürr nur möglich, wenn auch die großindustriellen Strukturen der Energieerzeugung verändert werden. Die Energieherstellung müsse in der Hand der Bürger und Kommunen, nicht der Großkonzerne oder Staaten liegen. Aus diesem Grund sprach sich Dürr auch gegen das gigantische Wüstenstrom-Projekt Desertec aus, mit dem ein internationales Konsortium von Konzernen und Banken in der Sahara in großem Maße Sonnenstrom erzeugen und nach Europa übertragen will. «Ich habe nichts dagegen, wenn die Afrikaner diese Sonnenkraftwerke selbst bauen wollen. Wir in brauchen sie aber nicht, weil es bei uns genug nutzbare Sonnenstrahlung gibt.» Die Energiewende muss nach Dürrs Ansicht mit einem grundlegenden Wandel des Lebensstils in den Industriestaaten einhergehen. «Wir müssen Lebensformen entwickeln, die mit wesentlich weniger Energie auskommen.» Dürr nannte die deutsche Gesellschaft «energiesüchtig». Sie verhalte sich wie ein Alkoholiker, der glaube, sein Suchtproblem lösen zu können, indem er in eine Schnapsfabrik einheiratet. Nötig sei deshalb zunächst eine «Entziehungskur». «Erst dann können wir überhaupt beurteilen, wie viel Energie wir wirklich brauchen.» Hans-Peter Dürr, der an diesem Mittwoch 80 Jahre alt wurde, ist Mitglied des Club of Rome und war lange Jahre Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München. Dort war er von 1958 bis 1976 Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, der als einer der bedeutendsten Physikers des 20. Jahrhunderts gilt. Dürr promovierte bei Edward Teller, dem umstrittenen «Vater der Wasserstoffbombe». Dürr gilt als wichtiger Impulsgeber der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung. 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. na/ddp
Weitere Artikel die Sie auch interessieren könnten: 4 Antworten zu:
|
Lieber Herr Dürr,
es gibt in Deutschland auch genug Leder, um Schuhe für alle Deutschen zu fertigen. Warum wenden Sie sich dann nicht auch gegen den Import von Schuhen?
Warum treiben wir überhaupt Handel? – Weil wir in Arbeitsteilung und in Kooperation effizienter sind, als wenn jeder alles selber macht.
Beim Übergang zu Erneuerbaren Energien setzt uns der Klimawandel unter erheblichen Zeitdruck – das wissen Sie doch auch.
Wenn wir zusätzlich zu den heimischen Erneuerbaren auch noch Solarenergie importieren, können wir schneller den Klimawandel stoppen – das wollen Sie doch auch?
Außerdem würden Verbundnetze zwischen den Regionen Europa und Afrika der Afrikanischen Seite eine ökonomische Entwicklungsperspektive und beiden Reionen zusammen eine dauerhafte Friedensperspektive bieten – wie die Europäische Einigung den früher zerstrittenen Nationalstaaten Europas.
Also, herzlichen Glückwunsch zum 80sten, von Ihrem jahrzehntelangen Bewunderer Gerhard Knies
Man muss ja nicht >nurnur< selbst erzeugen.
Aber auf jeden Fall muss das alles etwas schneller geschehen.
Ich finde diesen Artikel sehr Anregend zum Nachdenken – wer macht das heut schon? – Und stimme dem Autor zu das wir unsere Energieversorgung Autark gestalten sollten, den wenn wegen einer Kriese eines Konfliktes oder ähnlichem mal ein Paar Wochen bis Monate die Schuhe knapp Werden, – geht an Herr Knies – dann is das Ärgerlich aber nicht Kritisch, wenn wir aber nur wenige Stunden unseren Energie bedarf nicht decken können bzw unsere Versorgung aufgrund von Lieferengpässen – Ja ich meine wenn Afrika uns den Strom Abstellen würde, so wie es “Russland” bzw die “Ukraine” es schon beim Gas taten – zusammen bricht, dan sähe es ganz schön duster für Uns Aus. Deshalb fände ich es Falsch wen wir uns daruf beschränkten Strom zu Importieren, wir sollten uns bei der Energieversorgung Autark halten. Und das ohne AtomStrom.
cu an other time
on an other place
Christopher-Daniel Gregorczyk
Guten Tag
Es wäre hilfreich, die Überschrift auf den Artikel, dem im Übrigen nichts entgegegnzusetzen ist, sinnvoll abzustimmen! So beschreibt sie den Inhalt “negativ reziprok”!
Christian A. Wittke