Mainzer Polizist in Afghanistan08. Februar 2010
Deutschland ist derzeit mit zwei Polizeimissionen in Afghanistan vertreten. Im Rahmen der auf 400 Mann ausgelegten europäischen Mission EUPOL stellt Deutschland mit etwa 20 Prozent das größte Kontingent. EUPOL berät die afghanische Regierung beim Aufbau von Polizeistrukturen vor allem auf der oberen Hierarchieebenen der Ministerien und Provinzen. Hinzu kommt das bilaterale «German Police Project Team (GPPT)», das die Ausbildung von Polizisten der unteren bis mittleren Dienstränge im Norden des Landes und in der Kabuler Polizeiakademie organisiert. Die Zahl von derzeit rund 130 GPPT-Beamten soll bis Mitte 2010 auf 200 Beamte erhöht werden. Quandt war insgesamt 15 Monate lang als Projektkoordinator im GPPT-Führungsstab in Kabul. «Viel länger schafft man das auch nicht. Die Lebensbedingungen sind schon hart», erzählt der 53-Jährige, der seit einer Woche wieder zu Hause ist. Warum er sich dennoch immer wieder freiwillig zu Auslandseinsätzen melde? Quandt blickt aus dem Wohnzimmerfenster auf die winterlichen Vorgärten der Reihenhaussiedlung in einem Ort nahe Mainz: «Das ist ein Stück weit Abenteuerlust, Neugierde», sagte er schließlich: «Ich mag´s nicht langweilig.» Für die Familie sei das natürlich nicht immer leicht, räumt der Vater von zwei erwachsenen Kindern ein. Seine Frau, die selbst Polizistin ist, sei zwar dagegen, trage es aber mit. «Als wir geheiratet haben, war ich Sprengstoffentschärfer, insofern ist sie Kummer gewöhnt», fügt er hinzu. Um den Kummer in Grenzen zu halten, telefonierte Quandt von Kabul fast täglich nach Hause. Und wenn es wieder mal einen Anschlag gab, habe er seiner Frau immer sofort eine SMS geschickt – damit sie wusste, dass ihm nichts passiert war, wenn sie in den deutschen Nachrichten von dem Anschlag hörte. Anlässe zu solchen SMS hatte Quandt zur Genüge – und zumindest einmal war es für ihn auch richtig knapp: Als im August 2009 ein Selbstmordattentäter vor dem ISAF-Hauptquartier in Kabul ein mit Sprengstoff beladenes Auto in die Luft jagte, war Quandt nur zwei Minuten vorher am Ort des Anschlags vorübergekommen. «Ich habe die Druckwelle noch gespürt», erzählt er. Das Gefühl, permanent bedroht zu sein, habe er aber nicht gehabt, betont Quandt. Das habe nicht zuletzt mit der langen Tradition der deutsch-afghanischen Beziehungen und dem nach wie vor guten Ruf der Deutschen am Hindukusch zu tun. «Ich fühle mich als Deutscher nicht als terroristisches Angriffsziel», sagt Quandt, schränkt aber sofort ein: Etwas passieren könne in Afghanistan natürlich immer. Deshalb hätten er und seine Kollegen sich dann doch immer nur in ihren gepanzerten Fahrzeugen durch die Stadt bewegt. Vom Sinn der deutschen Polizeiausbildung in Afghanistan ist der Mainzer Polizeihauptkommissar fest überzeugt. Entsprechend geärgert hat er sich über den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, als der im Januar kritisierte, die deutschen Polizisten bildeten in Afghanistan vor allem «Kämpfer für die Taliban» aus. «Absolut schädlich» sei das gewesen, schimpft Quandt. Natürlich komme es auch vor, dass Polizeikandidaten nach Ende ihrer Ausbildung zu den Taliban wechselten, weil die besser zahlten oder ganz einfach Druck ausübten. Aber da müsse man «realistisch bleiben». Der Aufbau gehe durchaus voran, wenn auch langsam: «Ich glaube, fünf Jahre reichen nicht», fügt er hinzu. Allerdings müsse die Bundesregierung bei der Absicherung der Beamten im bilateralen GPPT-Projekt noch nachbessern, fordert Quandt. Das sieht auch der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) so. Wenn Afghanistan sich laut Bundsregierung nun offiziell in einem kriegsähnlichen Zustand befinde, müsse man darüber reden, was das für die rechtliche und die Versorgungssituation der Polizisten bedeute. Dessen ungeachtet fällt das persönliche Fazit von Hauptkommissar Quandt nach 15 Monate Aufbauarbeit in Afghanistan eindeutig positiv aus: «Ich würde es jederzeit wieder machen», sagt der 53-Jährige. na/ddp
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Dieser Artikel wurde am Montag, 08. Februar 2010 um 20:49 erstellt und ist in der Kategorie International abgelegt. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.
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