Mehr Überblick für Autofahrer – Wissenschaftler arbeiten an leichter ablesbaren Assistenzsystemen04. Februar 2009 «In 500 Metern rechts abbiegen», tönt das Navigationsgerät, während im Autoradio Staus verlesen werden und der Bordcomputer vor Glatteis warnt. Hinweise zur Navigation oder auf Verkehrszeichen, Nachrichten über Staus, Straßenverhältnisse oder Ampelphasen, Unterstützung für einen Spurwechsel oder Warnungen vor Fußgängern und Fahrradfahrern im toten Winkel oder am Straßenrand in der Dunkelheit – mit Hilfe von Bordcomputern, Navigationssystemen, Sensoren oder Kameras erhält der Mensch am Steuer vielfältige Informationen. Sie sollen ihm zu einer sicheren Fahrt verhelfen. Doch wie lassen sich all diese Daten darstellen, ohne dass der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Professuren Nachrichtentechnik, Arbeitswissenschaft sowie Allgemeine und Arbeitspsychologie im Interdisziplinären Zentrum für Fahrerassistenzsysteme (I-FAS) an der TU Chemnitz. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit: Eine LED-Leiste, die am unteren Rand der Frontscheibe angebracht wird und sich über den gesamten frontalen Sichtbereich des Fahrers ausdehnt. Die Informationsflut soll so kanalisiert werden. «Bisher werden zur Präsentation visueller Hinweise und Warnungen meistens sogenannte Head-Down-Displays eingesetzt, die in der Mittelkonsole, also neben dem Tachometer, integriert sind», erklärt der Nachrichtentechniker Philipp Lindner und ergänzt: «Zunehmend werden auch Head-Up-Displays verwendet, bei denen Informationen auf die Frontscheibe projiziert werden.» Diese lenken Studien zufolge den Fahrer weniger ab, sind jedoch technisch aufwendig und können bisher nur in einem kleinen Bereich des Fahrerblickfeldes dargestellt werden. Die Vorteile der neu entwickelten LED-Leiste: Sie deckt halbkreisförmig einen Blickbereich von rund 135 Grad ab und ermöglicht dadurch eine Darstellung von Warnhinweisen direkt an der Blickachse zwischen dem Auge des Fahrers und dem Ziel – etwa bei Nacht einem schwer erkennbaren Fußgänger am Straßenrand. Durch ihre Höhe von weniger als zehn Zentimetern werden keine wichtigen Informationen aus dem Verkehrsgeschehen verdeckt. Die Leiste setzt sich aus neun Modulen zusammen, die jeweils mit 256 Leuchtdioden (LED) bestückt sind. Jede einzelne LED kann 27 Farben und Graustufen in acht Helligkeitsstufen darstellen. Warnhinweise werden in Form von Symbolen eingeblendet. An deren optimaler Gestaltung arbeiten Arbeitspsychologen. So wurde in einer Laborstudie etwa das System für die Warnung vor Fußgängern in der Dunkelheit getestet. Auf Basis der Ergebnisse werden nun das optische Design und die Darstellung in einigen Punkten optimiert. Beispielsweise soll die Position eines Fußgängers durch die Anzeige der Fahrbahnbegrenzung besser abgelesen werden können und die Größe der dargestellten Symbole einen Hinweis auf die Entfernung von Personen zum Fahrzeug erlauben. «Nach der videobasierten Untersuchung im Labor evaluieren wir die LED-Leiste im Fahrsimulator und im Feld», schildert Philipp Lindner die nächsten Schritte. Dafür steht den Wissenschaftlern vor allem das Versuchsfahrzeug carai der Professur Nachrichtentechnik zur Verfügung. «Um auch Daten über die Aufmerksamkeit des Fahrers mit den Informationen aus dem Fahrzeugumfeld zu fusionieren, setzen wir bei den Untersuchungen unter anderem ein Eye-Tracking-System ein», erläutert Lindner. In dem Versuchsfahrzeug carai, einem VW Touran, arbeiten Bildverarbeitung, Laser- und Radartechnik gemeinsam an der Erfassung und Erkennung der Fahrzeugumgebung. Alles in allem sind die Chemnitzer Forscher zuversichtlich, dass ihre Forschungsarbeit schon bald Anwendung findet. «Die neu entwickelte LED-Leiste stößt vor allem bei Fahrzeugfirmen auf Interesse, die selber in dieser Richtung forschen – beispielsweise Volkswagen und Volvo», freut sich Lindner. ddp/nom/esc
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Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 04. Februar 2009 um 07:46 erstellt und ist in der Kategorie Lifestyle abgelegt. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden. Tags: Auto
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