Psychologe rät von frühzeitiger Befragung von Althaus ab


05. Januar 2009

Der renommierte Marburger Traumaexperte Georg Pieper hält nach dem schweren Skiunfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) eine psychologische Aufarbeitung der Ereignisse für erforderlich. Er «empfehle dringend eine professionelle Begleitung» für Althaus, sagte Pieper am Montag der Nachrichtenagentur ddp.

Die alleinige Unterstützung der Familie reiche nicht aus. Der Unfall am Neujahrstag in Österreich, bei dem eine vierfache Mutter ums Leben kam, werde für Althaus eine «ganz schwere Bürde» sein. Die Beteiligung Althaus’ am Tod der Frau bedeutet laut Pieper definitiv ein «traumatisches Ereignis».

Bevor Althaus von dieser Nachricht Kenntnis erhalte, müsse er erst weiter stabilisiert und beruhigt werden. In der anschließenden Therapie müsse der Vorfall zunächst so rekonstruiert werden, dass Althaus als Unfallbeteiligter das Geschehen nachvollziehen könne. Die folgende emotionale Verarbeitung könne nur gelingen, wenn sich Althaus «aktiv damit auseinandersetzt und nicht davonläuft», sagte der Psychologe.

Dass sich der Regierungschef an den Vorfall nicht erinnern kann, macht die Aufarbeitung laut Pieper schwieriger. Auf Althaus würde es verunsichernd wirken, wenn dieser auf die Darstellung Dritter angewiesen wäre. Allerdings sei es in Therapien vorgekommen, dass die Erinnerung sogar nach einer Totalamnesie zurückkehre. Dies solle auch die Staatsanwaltschaft berücksichtigen. Es wäre wünschenswert, dass die Ermittler auf eine frühzeitige Befragung verzichteten, sagte Pieper.

Georg Pieper leitet das Institut für Traumabewältigung (ITB) und hat unter anderem Überlebende des ICE-Unglücks in Eschede und des Grubenunglücks von Borken betreut. Für die Thüringer Landesregierung organisierte er die psychologische Nachsorge nach dem Amoklauf eines Schülers in Erfurt mit 17 Toten.

ddp

 

 

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