Woodstock an der Oder02. August 2009
Spaß haben, das bedeutet 40 Jahre nach dem berühmten Original und bei der 15. Auflage der polnischen Variante vor allem eines: Drei Tage Abrocken vor einer 60 Meter langen Bühne, auf der sich polnische und internationale Spitzenbands ebenso wie Newcomer und regionale Folkloregruppen die Ehre geben. Geschlafen wird, wenn überhaupt, in einem wilden Zeltlager in der Größenordnung gleich mehrerer Campingplätze. Zudem dient ein fußballfeldgroßes Schlammbad als beliebter Treff für Überhitzte. Das war bereits vor 15 Jahren im ersten Jahr von Przystanek Woodstock – wie das Festival auf polnisch heißt – der Fall. Der einzige Unterschied von damals zu heute ist der, dass sich in diesem Jahr schätzungsweise 400 000 Besucher – so viele wie noch nie – zu dem hügeligen Gelände am Rand der deutsch-polnischen Grenzstadt Küstrin aufgemacht haben. Der Hauptgrund für den gigantischen Zuschauerstrom dürfte sein, dass die Organisatoren um den polnischen Journalisten Jurek Owsiak bis heute an der Ursprungsidee des «Non-Commercial» festhalten. So finanziert sich Woodstock ausschließlich mit Spenden und Sponsoren. Den auftretenden Bands wird ungeachtet ihres Namens lediglich das Benzingeld und ein Essen bezahlt. Besucher bezahlen keinen Eintritt. Geld muss nur ausgeben, wer sich partout an einem Bungy-Seil auf die Zeltstadt stürzt oder eine professionelle Atemmaske gegen den allgegenwärtigen Staub benötigt. Neben den Zuschauern profitiert die 17 000-Einwohner-Stadt Küstrin vom Megaevent. Dort, wo sonst ein halbes Dutzend Tankstellen und ein Wochenmarkt die Schnäppchen-Touristen aus Brandenburg zum Einkauf locken, belagern an diesem Juliwochenende gleich Zehntausende die Supermärkte und Läden auf der Suche nach etwas Essbarem und Getränke-Nachschub. Vor allem, wer Bier verkauft, macht ein gutes Geschäft. «Das wird gleich palettenweise gekauft. Manche kommen sogar mit Handwagen, damit sie nicht so oft in die Stadt laufen müssen», sagt Beata Deja, Kassiererin der Küstriner Filiale des polnischen Discount-Marktführers Biedronka. Ernsthaftere Auseinandersetzungen wegen des massenhaften Alkoholkonsums habe sie aber noch nie erlebt, sagt die Polin. «Natürlich kommt es manchmal zu Rangeleien, weil es einigen zu lange dauert und der Durst groß ist. Ansonsten ist alles friedlich und normal.» «Normal» bei der 15. Auflage von Woodstock ist auch das Miteinander von Deutschen und Polen. Sie erleben Woodstock allerdings auf ganz unterschiedliche Weise: Während polnische Besucher auch nach Musik von Bands tanzen, die sie nicht kennen, zieht sich die Mehrzahl der Deutschen bei sengender Hitze in ihre Zelte im eigenen «Viertel» zurück. Erst am Abend, wenn die Hauptakts Clawfinger, Guano Apes oder Juliette Lewis spielen, vermischen sich die Nachbarn im Staub. Tomek und Justyna finden dieses getrennte Miteinander nicht weiter dramatisch. «Die Polen sind auch nicht alle gleich. Und Hauptsache, jeder hat seinen Spaß», sagt Tomek. na/ddp
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Dieser Artikel wurde am Sonntag, 02. August 2009 um 17:17 erstellt und ist in der Kategorie Unterhaltung abgelegt. Es besteht die Möglichkeit auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.
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